/// BLOG — WEBENTWICKLUNG
Warum die meisten Websites mit der Zeit Probleme machen — und deine nicht dazugehören muss
Wenn deine Website mit der Zeit langsam wird und jedes Update Bauchschmerzen macht, ist das kein Pech — das Problem wurde am ersten Tag eingebaut.
Am Anfang, frisch nach dem Relaunch, war deine Website der Stolz der Firma. Schnell, aufgeräumt, alles funktionierte. Heute lädt sie gefühlt ewig, das Kontaktformular hat nach dem letzten Update eine Woche lang nichts verschickt, und im Backend stapeln sich Update-Hinweise, die du lieber nicht anklickst.
Kommt dir bekannt vor? Dann geht es dir wie den meisten, deren Seiten ich übernehme — und es liegt sehr wahrscheinlich nicht an dir.
Ich baue seit 2001 Websites. Bei den Seiten, die nach ein paar Jahren auf meinem Tisch landen, fällt immer wieder dasselbe Muster auf: Die Probleme kommen selten sofort. Sie kommen mit der Zeit, schleichend, wenn die erste Ruhe vorbei ist. Dafür gibt es einen konkreten technischen Grund, und der wurde schon am Tag des Launches eingebaut.
Warum bekommen Websites mit der Zeit Probleme?
Die kurze Antwort: Die meisten Websites werden nicht gebaut. Sie werden zusammengeklickt.
Das typische Rezept sieht so aus: ein fertiges Theme aus einem Marktplatz, darüber ein Page-Builder wie Elementor oder Divi, und für jede einzelne Funktion — Formular, Slider, SEO, Caching, Cookie-Banner, Bildergalerie — ein eigenes Plugin. Am Launch-Tag sieht das gut aus und funktioniert. Nur hast du damit kein Produkt gekauft, sondern ein Kartenhaus aus Dutzenden Einzelteilen, deren Hersteller sich untereinander nicht kennen.
Am Anfang hält das Kartenhaus. Die Bauteile sind frisch, die Entwickler liefern Updates, alles passt zusammen. Mit der Zeit driften die Teile auseinander, und genau dann fangen die Probleme an. Vier davon sehe ich immer wieder.
Sind zu viele WordPress-Plugins ein Sicherheitsrisiko?
Ja, und zwar das größte, das deine Website hat.
Der Großteil aller gehackten WordPress-Seiten wird nicht über WordPress selbst angegriffen, sondern über veraltete Plugins und Themes. Die Security-Reports der einschlägigen WordPress-Sicherheitsanbieter bestätigen das Jahr für Jahr. Überraschend ist das nicht: WordPress selbst wird von einem riesigen Team gepflegt und schnell gepatcht. Ein Plugin dagegen ist oft das Nebenprojekt einer einzelnen Person und läuft trotzdem mit denselben Rechten auf deinem Server wie alles andere.
Jedes Plugin ist damit eine eigene Tür ins Haus. Zwanzig Plugins sind zwanzig Türen. Und du verlässt dich darauf, dass ebenso viele Leute, die du nicht kennst, ihre Tür für immer im Blick behalten. Manche tun das. Manche verlieren die Lust, verkaufen ihr Plugin oder stellen es kommentarlos ein. Die Tür bleibt dann offen stehen, und du merkst es nicht, weil die Website ja „läuft".
Warum wird meine WordPress-Website immer langsamer?
Weil sie jeden Tag Ballast mit sich herumträgt, den nie jemand bestellt hat.
Ein Page-Builder muss alles können: hundert Modul-Typen, jede denkbare Animation, jedes Layout. Deine Website nutzt davon vielleicht ein Zehntel, geladen wird trotzdem deutlich mehr. Dazu bringt fast jedes Plugin sein eigenes CSS und JavaScript mit, oft auf jeder einzelnen Seite. Das Formular-Plugin lädt seinen Code auch auf der Startseite, wo es gar kein Formular gibt.
Das steckt im Geschäftsmodell. Ein gekauftes Theme, ein Page-Builder, ein Standard-Plugin: Sie alle müssen die breite Masse bedienen, um sich zu verkaufen. Also bauen ihre Entwickler möglichst viele Funktionen für möglichst viele Anwendungsfälle ein — je mehr eine Lösung verspricht, desto größer der Markt. Für dich heißt das: Du bekommst hundert Funktionen mitgeliefert und brauchst davon eine. Die anderen neunundneunzig verschwinden nicht. Sie blähen den Code auf, machen alles komplizierter und reisen als Ballast bei jedem Seitenaufruf mit.
Einzeln fällt das nicht auf. In Summe wächst die Ladezeit Jahr für Jahr, weil immer noch ein Plugin dazukommt und selten eins verschwindet. Google misst das inzwischen sehr genau und lässt es in die Rankings einfließen. Deine Besucher merken es am Daumen auf dem Zurück-Button.
Fies daran ist, dass Langsamkeit schleichend kommt. Es gibt keinen Tag, an dem die Website kaputtgeht. Sie lädt einfach jeden Monat ein bisschen langsamer als im Monat davor.
Wenn jedes Update zum Risiko wird
Das dritte Problem ist das gemeinste, weil es dich in eine Zwickmühle steckt.
Am Anfang sind Updates Routine: Knopf drücken, fertig. Mit der Zeit ändert sich das. Der Theme-Hersteller baut sein Produkt um, ein Plugin verträgt sich plötzlich nicht mehr mit dem Page-Builder, die neue PHP-Version auf dem Server mag ein drei Jahre altes Plugin nicht mehr. Jedes Update ist jetzt ein kleines Glücksspiel. Vielleicht geht alles gut. Vielleicht ist danach das Kontaktformular tot, und du merkst es erst, wenn zwei Wochen lang keine Anfrage kam.
Damit hast du genau zwei Optionen, und beide sind schlecht: Du spielst Updates ein und riskierst, dass etwas bricht. Oder du lässt es und riskierst die offene Tür von oben. Die meisten wählen in der Praxis eine dritte Option und schieben es auf. Erst eine Woche, dann drei Monate, dann steht im Backend eine zweistellige Zahl an ausstehenden Updates, und spätestens jetzt traut sich wirklich niemand mehr, den Knopf zu drücken.
Die versteckte Abhängigkeit vom gekauften Theme
Der vierte Punkt fällt den meisten erst auf, wenn sie etwas ändern wollen.
Bei einer zusammengeklickten Website gehört dir das Design nicht wirklich. Es lebt in den Einstellungen des gekauften Themes und in den Modulen des Page-Builders. Willst du das Theme wechseln, verlierst du das Layout. Läuft die Builder-Lizenz aus, kannst du deine eigenen Seiten nicht mehr vernünftig bearbeiten. Also zahlst du jedes Jahr weiter Lizenzen für Theme, Builder und Premium-Plugins — Miete für Werkzeug, das du nicht kontrollierst und dessen Zukunft ein fremder Hersteller entscheidet.
Das ist keine böse Absicht der Anbieter, es ist einfach ihr Geschäftsmodell. Aber du solltest wissen, dass du es mitgekauft hast.
Der ehrliche Selbst-Check
Mach den kurzen Test. Weißt du bei jedem deiner Plugins, wofür es da ist? Steht im Backend höchstens eine Handvoll ausstehender Updates? Und würdest du dich trauen, jetzt sofort alle einzuspielen?
Dreimal Ja? Dann steht deine Seite besser da als die meisten. Wenn du irgendwo gezögert hast, lies weiter.
Eine Dauerbaustelle ist kein Werkzeug
Nimm die vier Punkte zusammen, dann ist so eine Website kein Werkzeug mehr. Sie ist eine Baustelle auf Dauer.
Deshalb baue ich anders:
Eigenes Theme statt Marktplatz-Theme. Das Design gehört dir. Kein Hersteller kann es abkündigen, keine Lizenz läuft aus. Und das Update eines Fremden zerlegt dir auch nicht das Layout.
Kuratierte Plugins statt Plugin-Sammlung. Jedes Plugin muss sich seinen Platz verdienen. Meine Faustregel: Kein Plugin, dessen Funktion sich in zwanzig Zeilen eigenem Code lösen lässt. Zwanzig eigene Zeilen kann ich warten. Bei einem fremden Plugin mit hunderttausend Zeilen kann ich nur hoffen, dass der Entwickler dranbleibt.
Ehrliche Beratung statt Maximallösung. Das heißt auch umgekehrt: Wenn dein Problem mit einem guten Plugin sauber gelöst ist, sage ich dir genau das und baue nichts Eigenes, nur damit auf der Rechnung mehr steht. Am Ende zählt, dass jede Entscheidung bewusst fällt. Wie das konkret aussieht, siehst du bei meinen Leistungen.
Eine so gebaute Website wird mit der Zeit nicht zur Baustelle. Sie wird einfach älter, mehr passiert nicht.
Häufige Fragen
Wie viele WordPress-Plugins sind zu viele?
Es gibt keine magische Zahl, und wer dir eine nennt, vereinfacht zu stark. Zehn schlanke, gepflegte Plugins können unproblematischer sein als drei aufgeblähte. Wichtiger als die Zahl ist, ob jedes Plugin einen Job hat, der sich nicht einfacher lösen lässt, und ob es aktiv weiterentwickelt wird. Wenn du bei einem Plugin nicht mehr weißt, wofür es eigentlich da ist, ist das dein Signal.
Meine Website ist ein paar Jahre alt — muss ich komplett neu bauen?
Das hängt vor allem von deinem Ziel ab. Die erste Frage ist nie „aufräumen oder neu bauen?", sondern: Wo soll deine Website hin? Reicht sie so, wie sie ist, oder soll sie wachsen, mehr leisten, neue Aufgaben übernehmen? Aus dieser Antwort ergibt sich der Weg. Manchmal reicht Aufräumen: überflüssige Plugins raus, Update-Stau auflösen, Ballast entfernen. Manchmal ist das Fundament aber so verbaut, dass jede reingesteckte Stunde nur Symptome kaschiert. Dann ist ein Neubau ehrlicher und am Ende günstiger. Was zutrifft, zeigt ein Blick in den Code — gemessen an dem, was du vorhast.
Sind Page-Builder grundsätzlich schlecht?
Nein. Sie sind ein Tauschgeschäft: Du bekommst Geschwindigkeit beim Aufbau, die Nachteile heißen Performance, Abhängigkeit und Wartungsaufwand. Für eine Aktions-Landingpage, die drei Monate lebt, kann das ein fairer Deal sein. Für die Website, von der dein Geschäft die nächsten Jahre abhängt, ist es meistens keiner.
Wenn du dir unsicher bist
Falls du gerade auf deine eigene Website schaust und dich fragst, in welchem Zustand sie wirklich ist: Genau dieser Blick in den Code ist mein Erstgespräch. Schick mir einfach den Link zu deiner Website — ich schaue kurz drauf und sage dir ehrlich, was ich sehe. Das Erstgespräch kostet nichts und ist ausdrücklich kein Verkaufsgespräch. Im Zweifel sage ich dir auch, dass deine Seite in Ordnung ist und du nichts tun musst.